Schamanismus heute – ein kritischer Beitrag zur „Szene“

Bis vor kurzem war ich noch sehr viel in sozialen Netzwerken unterwegs und versuchte, mich in diversen Schamanismus-und Spiritualitätsgruppen einzubringen. Ehrlicherweise tat ich das auch, um bekannt und für Klienten interessant zu werden, aber das klappte nicht so richtig. Warum, das werde ich in diesem Beitrag erzählen.

In vielen Gruppen herrscht einfach genau was vor, was für das Netzwerk von Herrn Zuckerberg so typisch ist: Oberflächlichkeit und Konsumzwang. Vielleicht liegt das gar nicht mal an den Usern, sondern an der Aufmachung vom Fratzenbuch – wirklich tiefer gehende Diskussionen sind einfach nicht möglich, und folglich sind in vielen Gruppen fast nur noch Seminarangebote, schlaue Sprüche oder ziemlich haltlose Behauptungen verschaltet. Gewiss: auch ich setze immer noch ab und an Postings rein und verlinke Seminare oder Blogbeiträge, aber mehr ist es auch nicht. Früher stieg ich noch in die eine oder andere Diskussion ein, weil ich dachte, etwas bewegen zu können, aber das endete darin, dass beide Seiten frustriert waren: mein „Gesprächspartner“, weil der plötzlich mit einem knickrigen Korinthenkacker, der behauptete, was von Schamanismus zu verstehen, konfrontiert war, und ich, weil ich einfach nicht verstand, warum einer nicht mal die schamanischen Basics draufhatte.

Anstatt wie üblich weiter zu meckern, erzähle ich mal meine schamanischen Hintergründe: ich belegte seinerzeit im Jahre 1999 einen schamanischen Basiskurs, und da ging es einfach und erdig zu: Trancereise, Krafttiere und Lehrer. Dazu dann noch die hypnotisch donnernden Trommeln, die mir einen Schauer über den Rücken jagten. Ich kann mich noch erinnern, wie die Seminarleiterin beim Eintrommeln ihren Kraftgesang losließ, und damals bekam ich es fast mit der Angst zu tun. Das war etwas Uraltes, fast Dämonisches, was einem an der Schulter packte und in die Richtung einer Welt drehte, die von mir zwar geahnt, aber noch nicht betreten worden war. Jim Morrisons „Is everybody in?“ aus der „Celebration oft the Lizard“ kam mir in den Sinn, und die letzten Reste des „christlichen“ Matthias wehrten sich mit lautstarken Bedenken, ob das nicht vielleicht mit ganz düsteren Dingen zuging. Aber ich blieb dabei.
Heute weiß ich, dass das Schamanenkraft war. Das, was mich so irritiert hatte, war die Präsenz der Geister gewesen. Und die sind rauh, erdig, feurig, wässerig und luftig. Ich begegnete dieser Kraft im Laufe der Jahre immer wieder, auf Forentreffen, an Lagerfeuern, bei Behandlungen, sei es als Klient oder selber als Schamane, auch beim Anschauen von Schamanenfilmen. Manchmal biss sie mir in den Arsch und zeigte mir meine Fehler und Baustellen, und manchmal zeigte sie mir wegweisende Visionen. Aber immer ist dabei dieses Erdige, Unvermittelte. Und das vermisse ich heute sehr. Jetzt habe ich eine Beschreibung für die Kraft: urig. Dazu braucht man sich nur mal die Rune Uruz anschauen.

Ein Sprung in die Musik: Jimi Hendrix, einer meiner Lieblingsmusiker, stellte in einem Song mal die Frage: „Are you experienced?“ – bist du erfahren? Und im darauffolgenden Gitarrensolo macht er klar, DASS er erfahren ist. Und ich denke, diese Frage kann man in diversen Gruppen wiederholen. Erfahren sein, heißt, es für sich umzusetzen und daraus ein eigenes Lied zu machen, das man dann singt. Die Lieder anderer nachzusingen mag zwar ganz nett sein, führt aber nicht zur eigenen Melodie. Jimi und seine Biographie kann man eigentlich ganz gut als Vergleich hernehmen: zuerst kopierte er als Teenager Songs, die er im Radio hörte, dann tourte er in unzähligen Gruppen und spielte die Top 40-Hits, und schließlich hatte er seine eigene musikalische Vision, wobei ihm Fortuna hold war und die Leute schickte, die ihm halfen, sie umzusetzen. Und das hört man in der Musik, sie fußt auf dem Blues und ist trotzdem Ausdruck von Jimis eigener Seele – hart erkämpft und zum Diamanten geschliffen.

Warum ich den Vergleich zum Schamanismus ziehe und so einen Bohei um die Erfahrung mache? Es ist doch viel leichter, locker-flockig eine seichte Meditation aus einem Buch zu machen und nur die schönen Reisen und Meditationen mit dem Krafttier zu beachten. Bloß nicht tiefer gehen! Klar komme ich mir jetzt wie so ein oberlehrerhafter Steißtrommler mit erhobenem Zeigefinger vor, aber ich sage es mal so: Schamanismus geht nicht umsonst so tiefgreifend. Mittlerweile würde ich ihn ähnlich potent wie LSD oder diverse Wege der Hohen Magie sehen. Es ist in Ordnung, wenn man so eine Art „Alttagsschamanismus“ lernt, den man auch als nicht so tief initiierter ausführen kann, aber bitteschön: Grundlagen sollten schon sein! Und die bestehen halt aus Trancereise, Krafttier, Lehrer und dem Modell verschiedener Welten. Und mit dieser relativ kleinen und klaren Basis kann man wunderbar an dieses Urige kommen.

Was kann ich also eigentlich außer meinem Gemoser sagen? Ganz einfach: zieht euch die Grundlagen rein – Michael Harner, Paul Uccusic, Mircea Eliade, Apu Kuntur, Tom Cowan. Um Grunde reicht das – selbst 20 bis 30 Jahre und einen Haufen Bücher später. Diese Grundlagen sind eigentlich nicht schwer, man muss sich halt konsequent dranmachen und sich die Dinge so aneignen, dass sie in Fleisch und Blut übergeben.
Are you experienced?

P.S.: Falls Sie wirklich „experienced“ werden wollen: ich biete derlei Basiskurse wie den eben erwähnten von Zeit zu Zeit an: http://www.feenmesse.de

Bildquelle: Fotostudio Obermaier, Penzberg

 

Etwas über die Elfen…

Das Schöne Volk
Wie du beim Lesen der Seiten sicher bemerkt hast, bin ich den Elfen sehr verbunden. Sie schimmern immer in meinem Denken, meiner Arbeit und meiner Kunst durch. Im Grunde sind sie meine spirituelle Verwandtschaft, um es mal schwülstig auszudrücken. Ich stelle sie dir nun mal vor, weil über sie so vieles (auch mal haltloser Unsinn…) gesagt und geschrieben wird.
Im Grunde sind Elfen Naturgeister. Sie beseelen die Welt um uns, sorgen dafür, dass alles wächst und gedeiht und regeln die Kreisläufe der Natur. Du ahnst vielleicht: ich verwende den Begriff „Elfen“ nicht nur für die schönen ätherischen Flügelfeen, und man fasste das früher auch anders auf. In der nordischen Edda wird von den Alfar berichtet, die in zwei Kategorien eingeteilt sind: die Lichtelfen und die Schwarzelfen. Hier streiten sich die Experten, was das bedeutet, soweit ich das sehe, sind die Lichtelfen die „hellen“, aufbauenden, wachstumsfördernden Geister der Natur, während die Schwarzalben unter der Erde leben und eher „unfreundlich“ sind und die abbauenden Prozesse betreuen. Aber auch das ist nicht so ganz klar nach Schema F, denn die Zwerge z.B. leben unter der Erde und haben mit den Mineralien, die aus dem Abbau organischen Materials entstehen, zu tun, aber sie bauen auch Bodenschätze wie Kristalle auf.
In den Geschichten und Legenden der britischen Inseln kommen sie als die „Sidhe“ (gesprochen „schi“), alle Ellylon oder Fairies vor. In unseren Breiten kannte man sie als „Salige Fräulein“ oder „Venedigermandln“ (Zwerge!). In all diesen Geschichten kommt ein Bezug zur Natur vor, und allen ist etwas „Schillerndes“, nicht Lineares, die Formen und Zeiten Verändernde zu eigen.
Es gibt unzählige Arten von Elfen und Naturgeistern. Manche sind wunderschön, manche ähneln tatsächlich den berühmt-berüchtigten Tinkerbells, und manche sind vom Aussehen her seltsam und verstörend. Das kann teilweise auch auf die Lichtelfen zutreffen, so nehme ich die Sidhe (das weiter oben erwähnte „Volk in den Hügeln“) oft mit bedrohlich großen und schräg stehenden Augen wahr (siehe Bildergalerie). Ein Künstler, der sie meiner Meinung nach sehr gut wiedergibt, ist Brian Froud. Und ich selber versuche in meinen Zeichnungen ebenfalls, ihre Kraft ins Diesseits herüber zu bringen.

Hier finden Sie weiteres über meine Arbeit:  http://www.feenmesse.de