Break on Through – to the other Side?

Gestern Abend war mal wieder so ein social media Moment. In einer der unzähligen Fratzenbuch-Schamanengruppen fragte einer, der offensichtlich einschlägige Erfahrungen mit LSD und Grass hatte, nach Rezepturen und Anwendungen zum Thema Fliegenpilz, aber er war nicht bereit, sich mit Spiritualität oder ähnlichem auseinander zu setzen. Es las sich so, als ob irgendein zugedröhnter Kiffer unbedingt den nächsten Kick wollte, und weil Fliegenpilz ja sooooo schamanisch sei, wollte er es halt wissen. Für mich ein absolutes Triggerthema, und entsprechend sauer war ich dann auch – mal wieder mehr Energie verschwendet als es nötig war!

Ja warum zipft mich das eigentlich so an? Ich mag selber psychedelisches Zeugs – Doors und Hendrix und anderer Stonerkram sind meine Hausnummer, und ich glaube, viele Leute denken, ich sei oft stoned, dabei ist das bei mir der Normalzustand – halt schamanisch bedingt. Verpeilt ist vielleicht ein anderes Wort. Trotzdem weiß ich ein wenig über Meisterpflanzen – das ist aber ein Thema, zu dem ich nicht viel mehr als das hier in diesem Blogbeitrag Geschriebene äußern werde.

Als ich noch in meinen 20ern war, verschlang ich Rätsch, Huxley, Hoffmann und Co. Etwas zog mich am Thema Meisterpflanzen an, und ich wäre selber beinahe bei den Hoffmannstropfen gelandet. Zum Glück kam dann ein schamanischer Basiskurs dazwischen, und ich machte mit Hilfe der Trommel meinen „Durchbruch“. Heute weiß ich, dass das für mich und meine Seele der bessere Weg war.
Es gibt in einer Dokuserie des ZDF, welche „Gegenwelt Rauschgift“ genannt wurde, eine wunderbare Sequenz. Man sieht den Promoclip von „Break on through“ von den Doors, und in diesen sind yoposchnupfende Schamanen, Rauchwaren inhalierende Wahrsager und Peyotebilder hineingeschnitten. Das war damals für mich ein gänsehäutender Moment, und heute glaube ich, dass damit eine wichtige schamanische Wahrheit angesprochen wurde: man nennt diese Pflanzen nicht umsonst „Meisterpflanzen“. Sie sind Meister, und sie sind genauso Verbündete wie das Krafttier oder der Lehrer, nur dass sie unmittelbar auf das Gehirn wirken. Schamanen wussten das schon immer und haben sich diesen Pflanzen vorsichtig genähert. Sie beschworen sie, sagten Bitte und Danke und betrachteten sie als reale Personen – sie tun es heute noch. Genau wie beim individuellen Krafttier und Lehrer gibt es Pflanzen, die zu einem passen – oder auch nicht. Aber allen Kulturen, die schamanisch arbeiten, ist eines gemeinsam: zuerst ist die Schamanenkraft da. Und als Schamane sollte man diese Kraft haben, um mit so starken Geistern wie Meisterpflanzen umgehen zu können. Ich sage das nicht mit moralisch erhobenem Zeigefinger, sondern weil ich Leute, die nicht achtsam genug waren, habe durchknallen sehen. Meisterpflanzen sind Geister der Mittelwelt, also eigentlich Naturgeister, und die sind amoralisch. Wenn du ihnen nicht mit Respekt begegnest, ficken sie dich – im wahrsten Sinne des Wortes. Man muss da nur den Ayahuascaboom und die Energien dahinter anschauen.

In unserer Kultur haben wir leider das Verständnis größtenteils verloren. Da ist es keine Kommunion, kein Durchbrechen zur anderen Seite mehr, sondern ein Einwerfen, ein Kick. Gewiss, es gibt auch kluge Köpfe, die verantwortungsvoll damit umgehen, und es gibt kleine Zirkel und Einzelpersonen, die ein Verständnis haben, aber die sind rar gesät. Andererseits ist Rauschkultur für den Menschen essentiell (wage ich mal zu behaupten), aber die ist weitestgehend profanisiert, weil die Geister dahinter nicht mehr gewürdigt werden. Wer das nicht glaubt, der braucht zur jetzigen Wiesnzeit einfach mal nur über den berüchtigten „Kotzhügel“ spazieren. Wie das wohl laufen würde, wenn man vorher Dionysos oder Baccus anriefe?

Es gibt verschiedene Türen in der Wand. In schamanischen Kulturen weiß man, welche zu nehmen ist und wie weit man sie aufmachen sollte. In unserer Kultur weiß man das nicht mehr.

2 Gedanken zu „Break on Through – to the other Side?“

  1. Klasse Artikel! Die Doors haben meine Jugend auch begleitet, und zwar eine Rauschzeit, die wie ich heute weiß, nach langen Jahren des Lernens, auch eine Reise durch die Unterwelt war. Ich musste die klassische Psychotherapie durchlaufen, wieder bei mir ankommen, eine spirituelle Ausrichtung finden, die mir Basis ist , und nun, also, nach Jahrzehnten – macht alles Sinn, ist in einem schamanischen Kontext wertvoll, und Meisterpflanzen sind mir Begleiter, ohne dass ich je irgendetwas zu mir nehmen muss. Weder Alkohol, noch Rauch oder anderes kommt über meine Lippen. Doch ich erinnere mich wie damals an alles sehr genau. Ich habe schon die Seelenanteile alter Freunde wiedergefunden, die an den Drogen gestorben waren. Ich erinnere mich wie es war, als ich auf dem phillippinischen Bergdorf lebte und für die Geister immer einen Schluck Bier zu Boden goss. Wahrscheinlich habe ich mit dem Schamanen getrunken. Der Tod war nah und doch muss ich ja beschützt worden sein. Es ist aber eher die Ausnahme, das jemand zurückkommt. Das weiß ich. Und deshalb bin ich heute gegen die ganze Drogensucht eingestellt, denke aber, die jungen Leute brauchen eher Führer, was geht da auf den Goafestivals ab….Geht da ein Schamane hin und passt auf die auf? Oder ist das nicht unser Job?

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