Good Fairy-Bad Fairy II

Die dunkle Seite …und die bösen Feen – Klappe die zweite.

Ab und an stelle ich Aurasprays her, die dann während einer schamanischen Sitzung verwendet, aber von mir nicht verkauft werden. So auch letztens – da sollte ich auf Geheiß der Geister eine Mischung herstellen, die recht „düster“ rüberkam. Genauer gesagt: der Naturgeist, der sich dabei zeigte, ähnelte sehr Maleficent, der dunklen Fee, wunderbar facettenreich von Angelina Jolie gespielt.

Manchmal stelle ich Fotos von den Fläschlein in Facebook rein, allerdings mit Absprache der Geister. Es kam ein „ja, mach nur“, und ich setzte, auch ein wenig stolz über mein Werk, ein Bild auf meine Pinnwand. Es gab eine Reaktion, die mich echt verwunderte und auch ein wenig ärgerte: „Bist du etwa unter die Schwarzmagier gegangen?“ – ich fühlte mich wieder an endlose Diskussionen über gut und böse, über Licht-und Schattenwesen und meine ewigen Rechtfertigungen, weil das Feenvolk weder gut noch böse ist, erinnert. Tatsächlich wurde die Sache dann per PN geregelt, aber ganz zufrieden war ich noch nicht, und ich dachte einige Zeit über das Ganze nach. Wie kann ich den Menschen klar machen, dass ich, wie wir alle, weder ganz gut noch ganz böse bin – und dass das für das Feenvolk im noch größeren Masse zutrifft.

Im Grunde liefert Maleficent selber die Antwort. In früheren Disney-Filmen war sie die gefürchtete böse Fee, mit der man sich ja nicht abgeben darf. In der Neuverfilmung erfährt man, dass die Gier, die Falschheit und der Geltungsdrang der Menschen sie böse gemacht haben. Darin steckt viel mehr Wahrheit als es die Macher des Filmes glauben. Selbst die Mauern und Hecken, die beide bauen, sind nicht ganz aus der Luft gegriffen. Dazu aber vielleicht an anderer Stelle mehr. Bezeichnenderweise konnte nur eine „reine“, also im Sinne von unverdorbene Seele wie die Aurora Maleficent helfen – so dass diese  mit dem Kuss der wahren Liebe den Fluch lösen konnte.

-Persönliches Mimimi eingeschoben: ich würde gerne vermehrt solchen Seelen wie Aurora, die einfach unvoreingenommen fragt, begegnen. Vieles wäre leichter, und ich würde mich freuen, meinerseits einfach nur erzählen und zeigen zu dürfen. Leider kriegen DAS nur ganz wenige Mitmenschen auf die Reihe. Mit ein Grund, warum ich mit der vollem Kraft hinterm Baum halte.-

Nochmal: menschlicher Dualismus greift bei den Naturgeistern nicht. Die Geister des Winters sind eben anders drauf als die Geister des Sommers. Selbst die uns scheinbar so freundlich gewogene Sonne, die Leben und Wärme spendet, tötet uns, wäre sie nur etwas näher (darüber reden wir dann mal in ein paar Milliarden Jahren…). Wenn ich also „die Dunklen“ erwähne oder gar mit ihnen schaffe, dann nicht, weil ich irgend etwas mit der dunklen Seite der Macht zu tun habe, sondern weil beide zwei Seiten einer Medaillie sind. Der Machttrip eines Chaosmagiers, der mit dem Necronomicon arbeitet und daraufhin durchknallt, ist etwas ganz anderes (um mal ein richtiges Klischee zu bemühen). Mir ist klar, dass ich mich mal wieder für mein So-Sein und meine Aufgaben entschuldige, aber, hey, `s nervt langsam.

Ich hau jetzt noch einen raus: die „Schwarze“ oder die „graue“ Heilung, wie sie im südamerikanischen Schamanismus praktiziert wird, ist vielleicht nicht die feine englische, denn schließlich wird dort handfest verflucht und verhext, aber mal ehrlich: was machen Sie, wenn Sie auf offener Straße eine herunter gehauen bekommen oder beleidigt werden, weil der Betreffende neidisch ist oder sonst ein Problem mit Ihnen hat? Oder jemand lädt seinen Müll vor Ihrer Haustüre ab. Denken Sie mal darüber nach, wie Sie darauf reagieren würden. Auch hier ein schönes Beispiel:

Bei mir sagen die Leute immer: „Der Roady schmeißt mit Wattebäuschen!“, weil ich wirklich zur sehr diplomatischen Sorte gehöre und niemanden verletzen möchte (aber anderen macht es nichts aus, mir eine reinzusemmeln…). Das wissen in meiner Praxis auch unzählige Werbeanrufer und Telefonbetrüger. Nummern blocken, Auflegen und andere Ablenkmanöver fruchteten nicht. Kürzlich wurde es mir dann echt zu blöd, und ich wusch einem, der mir einen angeblichen Vertrag für 500 Euro unterjubeln wollte, gehörig den Kopf. Seitdem gab es keinen einzigen Werbeanruf oder anderweitige Belästigungen mehr.

Manchmal braucht es die „dunkle Seite“, um zu heilen und wieder ins Lot zu bringen, und manchmal ist die „helle und lichtvolle Seite“ die übelste, schwärzeste und fieseste Magie überhaupt. In diesem Sinne: einen schönen Tag euch Lesern!

 

Der Wert der schamanischen Arbeit oder: „Mach was Gscheits“

Manchmal begegne ich auf meinen Werbekampagnen dummen Sprüchen wie „Arbeite was Gescheites“ oder „du zieht eh nur Leuten das Geld aus der Tasche“. Eigentlich sollte ich diese Aussagen, die sich eher nach hingerotztem Frust über diesen „Spinner“ anfühlen, ignorieren, aber aus verschiedenen Gründen dachte ich dann mal darüber nach, wie das hierzulande mit so „Freaks“ wie uns gehandhabt wird.

Als Reaktion auf das Gekeife habe ich mir einige alte ethnologische Filme über Schamanismus angesehen. In anderen Völkern wird der Schamane zwar auch etwas skeptisch wegen seiner Kräfte beäugt, aber ansonsten geachtet, wenn nicht sogar verehrt. Ein Teil von mir wünschte sich sehnlichst, dass es in unserer Gesellschaft auch so ist und ich persönlich Respekt und Anerkennung bekomme statt mir Beleidigungen von Leuten, die wahrscheinlich schon das dritte Weißbier intus hatten und einfach einem mal verbal in die Fresse hauen wollten, reinzutun. Der andere Teil hatte sogar Verständnis für die Leute, die solche Sätze äußerten. Zumal es in der Esoterikszene genug schräge Gestalten gibt, die nichts auf der Pfanne haben, aber mächtig Kohle verlangen. Und äußerlich sehe ich genau so aus für die. Der nächste Faktor ist unsere aufgeklärte Gesellschaft. Geister und so etwas…. Das haben wir doch längst hinter uns!

Wie geht man als „Interner“ mit so was um? Ganz ehrlich: mir tuts weh, weil ich in die schamanische Arbeit viel Herzblut stecke und eine Vision habe, die noch zu erfüllen ist. Aber ich verstehe auch den Spagat. Ein Freund von mir meinte in Facebook so sinngemäß, dass „wir“ die zweite Generation nach Castaneda, Harner und Co. Und immer noch Wegbereiter sind. In dieser Inkarnation wird es wahrscheinlich nicht mehr die Anerkennung für die Arbeit geben. Vielleicht gibt es in der Esoterikszene, so wenig ich die auch mag, einige, die zumindest ansatzweise die Kraft schamanischer Arbeit jenseits von nur Heilung und „Heya-Heya“-Gesängen verstehen. In diesem Sinne verbleibe ich mit den Worten des weisen Meisters Bon Scott Selig: „Ride on“

Break on Through – to the other Side?

Gestern Abend war mal wieder so ein social media Moment. In einer der unzähligen Fratzenbuch-Schamanengruppen fragte einer, der offensichtlich einschlägige Erfahrungen mit LSD und Grass hatte, nach Rezepturen und Anwendungen zum Thema Fliegenpilz, aber er war nicht bereit, sich mit Spiritualität oder ähnlichem auseinander zu setzen. Es las sich so, als ob irgendein zugedröhnter Kiffer unbedingt den nächsten Kick wollte, und weil Fliegenpilz ja sooooo schamanisch sei, wollte er es halt wissen. Für mich ein absolutes Triggerthema, und entsprechend sauer war ich dann auch – mal wieder mehr Energie verschwendet als es nötig war!

Ja warum zipft mich das eigentlich so an? Ich mag selber psychedelisches Zeugs – Doors und Hendrix und anderer Stonerkram sind meine Hausnummer, und ich glaube, viele Leute denken, ich sei oft stoned, dabei ist das bei mir der Normalzustand – halt schamanisch bedingt. Verpeilt ist vielleicht ein anderes Wort. Trotzdem weiß ich ein wenig über Meisterpflanzen – das ist aber ein Thema, zu dem ich nicht viel mehr als das hier in diesem Blogbeitrag Geschriebene äußern werde.

Als ich noch in meinen 20ern war, verschlang ich Rätsch, Huxley, Hoffmann und Co. Etwas zog mich am Thema Meisterpflanzen an, und ich wäre selber beinahe bei den Hoffmannstropfen gelandet. Zum Glück kam dann ein schamanischer Basiskurs dazwischen, und ich machte mit Hilfe der Trommel meinen „Durchbruch“. Heute weiß ich, dass das für mich und meine Seele der bessere Weg war.
Es gibt in einer Dokuserie des ZDF, welche „Gegenwelt Rauschgift“ genannt wurde, eine wunderbare Sequenz. Man sieht den Promoclip von „Break on through“ von den Doors, und in diesen sind yoposchnupfende Schamanen, Rauchwaren inhalierende Wahrsager und Peyotebilder hineingeschnitten. Das war damals für mich ein gänsehäutender Moment, und heute glaube ich, dass damit eine wichtige schamanische Wahrheit angesprochen wurde: man nennt diese Pflanzen nicht umsonst „Meisterpflanzen“. Sie sind Meister, und sie sind genauso Verbündete wie das Krafttier oder der Lehrer, nur dass sie unmittelbar auf das Gehirn wirken. Schamanen wussten das schon immer und haben sich diesen Pflanzen vorsichtig genähert. Sie beschworen sie, sagten Bitte und Danke und betrachteten sie als reale Personen – sie tun es heute noch. Genau wie beim individuellen Krafttier und Lehrer gibt es Pflanzen, die zu einem passen – oder auch nicht. Aber allen Kulturen, die schamanisch arbeiten, ist eines gemeinsam: zuerst ist die Schamanenkraft da. Und als Schamane sollte man diese Kraft haben, um mit so starken Geistern wie Meisterpflanzen umgehen zu können. Ich sage das nicht mit moralisch erhobenem Zeigefinger, sondern weil ich Leute, die nicht achtsam genug waren, habe durchknallen sehen. Meisterpflanzen sind Geister der Mittelwelt, also eigentlich Naturgeister, und die sind amoralisch. Wenn du ihnen nicht mit Respekt begegnest, ficken sie dich – im wahrsten Sinne des Wortes. Man muss da nur den Ayahuascaboom und die Energien dahinter anschauen.

In unserer Kultur haben wir leider das Verständnis größtenteils verloren. Da ist es keine Kommunion, kein Durchbrechen zur anderen Seite mehr, sondern ein Einwerfen, ein Kick. Gewiss, es gibt auch kluge Köpfe, die verantwortungsvoll damit umgehen, und es gibt kleine Zirkel und Einzelpersonen, die ein Verständnis haben, aber die sind rar gesät. Andererseits ist Rauschkultur für den Menschen essentiell (wage ich mal zu behaupten), aber die ist weitestgehend profanisiert, weil die Geister dahinter nicht mehr gewürdigt werden. Wer das nicht glaubt, der braucht zur jetzigen Wiesnzeit einfach mal nur über den berüchtigten „Kotzhügel“ spazieren. Wie das wohl laufen würde, wenn man vorher Dionysos oder Baccus anriefe?

Es gibt verschiedene Türen in der Wand. In schamanischen Kulturen weiß man, welche zu nehmen ist und wie weit man sie aufmachen sollte. In unserer Kultur weiß man das nicht mehr.

Good Fairy-Bad Fairy

Auch dieser Beitrag ist ein kleiner Seitenhieb auf die „Eso-Szene“, aber es wird nicht mehr so ein wüstes Gebashe sein, Ehrenwort! Trotzdem – die Szene hat leider mit diesem Thema zu tun.

Angefangen hat die Thematik „Good Fairy-Bad Fairy“ für mich, als ich so etwa im Jahr 2013 ein Exerzitium begann und sämtliche Naturgeisterreiche bereiste – Erde, Feuer, Wasser, Luft, Geister des Frühlings, des Sommers, des Herbstes und des Winters (sehr eindrücklich war dabei eine Reise zur „Winterkönigin“, die ja in Andersons Märchen als ziemlich „eiskalt“ beschrieben wird). Ich ahnte damals schon, dass Naturgeister nicht in menschliche Moralvorstellungen gepackt werden konnten, aber für mich, der hier als Mensch rumstolpert, war es immer leichter, mit den „freundlichen“ Feen Kontakt zu halten. Trotzdem tauchten die „bad fairies“ ab und an auf und deuteten an, dass auch sie etwas von mir wollten.

Heute weiß ich, dass auch sie es wünschen, gewürdigt und respektiert zu werden. Ich erinnere mich an endlose Diskussionen in Foren und Fratzenbuchgruppen. Ein recht denkwürdiges Beispiel war, als eine Bekannte von mir, die selber Naturwesen zeichnet, eines ihrer Bilder in ein entsprechendes Forum hineinsetzte. Auf diesem Bild war ein Wesen zu sehen, das mit seinen großen Nachttieraugen und den riesigen Kiefern eher verstörend wirkte, und im Verlaufe dieses Threads äußerte sich eine typische „Esotrulla“ höchst betroffen darüber, dass dieses Geschöpf „noch nicht im Licht“ sei, und dass sie für seine „Erlösung“ beten werde. Jahre später geriet ich an eine Dame, die sich wahrscheinlich selber für eine inkarnierte Fee hielt und auf ihrer Seite nur blumige Avalonfantasien und Botschaften von „den lieben Feen“ postete. Damals war ich noch dumm genug, darauf hinzuweisen, dass Feen nicht nur lieb und nett sind, und erntete entsprechendes Gekakel.
Warum ich darauf so rumreite? Das ist eigentlich ganz einfach: das Helle und das Dunkle gehören zusammen. Dazu braucht man sich einfach nur das Ying-Yang-Zeichen anschauen, das witzigerweise sehr oft in der Esoterik verwendet wird. Eine Meditation über die Jahreszeiten reicht auch. Die Natur ist sowohl freundlich, hell und lebensspendend als auch wild, dunkel und Leben nehmend. Man denke an die Wirbelstürme, die zur Zeit, als dieser Beitrag verfasst wurde, in Texas und Florida einfielen. Und genau so sind die Geister der Natur. Sie sind amoralisch. Der Mensch teilt sie von seiner Warte aus in moralische Kategorien ein. Was an sich nicht so verkehrt ist, weil er sich schützen muss. Der Fehler ist, dass er das Dunkle komplett ausblendet. Aber ohne den Winter und den Tod kein Leben und keine Weiterentwicklung. Und irgendwer muss halt den undankbaren Job des Abmurksens oder des Einleitens des Zerfalles übernehmen. Sei es der Grim Reaper, der Boandlkramer oder der Unseelie Court. Sie alle lassen das, das den nächsten Winter nicht mehr übersteht, über die Klinge springen.

Was kann man tun? Eigentlich geht es nur um Ausgewogenheit und die Akzeptanz, dass die dunkle Zeit eben dunkel ist. Wer schamanisch arbeitet und in dieser Hinsicht sattelfest ist, kann ja mal die Kontaktaufnahme zu den dunklen Feen versuchen. Manche von ihnen entpuppen sich als lebensfreundlicher, als man so denkt, und einige wurden auch griesgrämig, weil sie nicht mehr geehrt werden. Sie zu achten und auch ihnen Ehrerbietung entgegenbringen würde meiner Meinung nach vieles zum Positiven verändern – verrückt, nicht wahr? Die Ehrung der Dunkelheit führt zum Licht!

In diesem Sinne ein schönes Mabon!

Pflanzengeistmedizin

Heute möchte ich euch ein kleines, aber feines Büchlein von einem Herrn namens Eliot Cowan ans Herz legen:

https://www.amazon.de/Pflanzengeist-Medizin-Eliot-Cowan/dp/342676069X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1505829074&sr=8-1&keywords=pflanzengeistmedizin

Leider ist die deutsche Ausgabe nur noch antiquarisch zu erhalten, aber sie lohnt sich. Es gibt wohl auf englisch eine neue und erweiterte Auflage, die sich offensichtlich zu lohnen scheint. Ich kann jedem, der sich für Schamanismus und Naturgeister interessiert, dieses Buch ans Herz legen. Cowan erzählt von seiner schamanischen Arbeit mit Pflanzengeistern, und wie er sie bei Klienten einsetzt. Glaubt man ihm, dann zeigen diese Anwendungen und Sitzungen durchschlagende Erfolge. Mich faszinierte und berührte das damals, nur hatte ich lange nicht den Mut, selber so zu arbeiten.

Später bekam ich Hinweise, mich doch bitte mit der Spagyrik (der alchemistischen Zubereitung von Pflanzentinkturen) zu befassen, und ich gab seeeehr widerwillig nach. Hier in Deutschland ist es verboten, eigene Essenzen herzustellen und an Patienten weiter zu geben, während Cowan in seinem Buch fröhlich den Klienten Tinkturen verabreicht. Also, was soll denn das? Wir Heilpraktiker stehen eh schon mit einem Bein im Knast, und dann so ein Auftrag! na tolle Wurst! Aber irgendwann war ich dann doch so weit „überredet“, dass ich mich hinsetzte und damit beschäftigte. Nun, die Essenzen stehen zwar (noch vorläufig) im Schrank, aber der spirituelle Schatz, der während der Arbeit mit ihnen gehoben wurde, ist unermeßlich. Im Grunde zeigten die Pflanzen mir die Feenreiche und ihre Kräfte, und ich denke, richtig angewendet kann durchaus das passieren, was in dem Buch beschrieben wird- Feen sind ausgezeichnete Heiler.

Also, wenn es euch anspricht: besorgt das Buch! Es ist wirklich gut!

Schamanismus heute – ein kritischer Beitrag zur „Szene“

Bis vor kurzem war ich noch sehr viel in sozialen Netzwerken unterwegs und versuchte, mich in diversen Schamanismus-und Spiritualitätsgruppen einzubringen. Ehrlicherweise tat ich das auch, um bekannt und für Klienten interessant zu werden, aber das klappte nicht so richtig. Warum, das werde ich in diesem Beitrag erzählen.

In vielen Gruppen herrscht einfach genau was vor, was für das Netzwerk von Herrn Zuckerberg so typisch ist: Oberflächlichkeit und Konsumzwang. Vielleicht liegt das gar nicht mal an den Usern, sondern an der Aufmachung vom Fratzenbuch – wirklich tiefer gehende Diskussionen sind einfach nicht möglich, und folglich sind in vielen Gruppen fast nur noch Seminarangebote, schlaue Sprüche oder ziemlich haltlose Behauptungen verschaltet. Gewiss: auch ich setze immer noch ab und an Postings rein und verlinke Seminare oder Blogbeiträge, aber mehr ist es auch nicht. Früher stieg ich noch in die eine oder andere Diskussion ein, weil ich dachte, etwas bewegen zu können, aber das endete darin, dass beide Seiten frustriert waren: mein „Gesprächspartner“, weil der plötzlich mit einem knickrigen Korinthenkacker, der behauptete, was von Schamanismus zu verstehen, konfrontiert war, und ich, weil ich einfach nicht verstand, warum einer nicht mal die schamanischen Basics draufhatte.

Anstatt wie üblich weiter zu meckern, erzähle ich mal meine schamanischen Hintergründe: ich belegte seinerzeit im Jahre 1999 einen schamanischen Basiskurs, und da ging es einfach und erdig zu: Trancereise, Krafttiere und Lehrer. Dazu dann noch die hypnotisch donnernden Trommeln, die mir einen Schauer über den Rücken jagten. Ich kann mich noch erinnern, wie die Seminarleiterin beim Eintrommeln ihren Kraftgesang losließ, und damals bekam ich es fast mit der Angst zu tun. Das war etwas Uraltes, fast Dämonisches, was einem an der Schulter packte und in die Richtung einer Welt drehte, die von mir zwar geahnt, aber noch nicht betreten worden war. Jim Morrisons „Is everybody in?“ aus der „Celebration oft the Lizard“ kam mir in den Sinn, und die letzten Reste des „christlichen“ Matthias wehrten sich mit lautstarken Bedenken, ob das nicht vielleicht mit ganz düsteren Dingen zuging. Aber ich blieb dabei.
Heute weiß ich, dass das Schamanenkraft war. Das, was mich so irritiert hatte, war die Präsenz der Geister gewesen. Und die sind rauh, erdig, feurig, wässerig und luftig. Ich begegnete dieser Kraft im Laufe der Jahre immer wieder, auf Forentreffen, an Lagerfeuern, bei Behandlungen, sei es als Klient oder selber als Schamane, auch beim Anschauen von Schamanenfilmen. Manchmal biss sie mir in den Arsch und zeigte mir meine Fehler und Baustellen, und manchmal zeigte sie mir wegweisende Visionen. Aber immer ist dabei dieses Erdige, Unvermittelte. Und das vermisse ich heute sehr. Jetzt habe ich eine Beschreibung für die Kraft: urig. Dazu braucht man sich nur mal die Rune Uruz anschauen.

Ein Sprung in die Musik: Jimi Hendrix, einer meiner Lieblingsmusiker, stellte in einem Song mal die Frage: „Are you experienced?“ – bist du erfahren? Und im darauffolgenden Gitarrensolo macht er klar, DASS er erfahren ist. Und ich denke, diese Frage kann man in diversen Gruppen wiederholen. Erfahren sein, heißt, es für sich umzusetzen und daraus ein eigenes Lied zu machen, das man dann singt. Die Lieder anderer nachzusingen mag zwar ganz nett sein, führt aber nicht zur eigenen Melodie. Jimi und seine Biographie kann man eigentlich ganz gut als Vergleich hernehmen: zuerst kopierte er als Teenager Songs, die er im Radio hörte, dann tourte er in unzähligen Gruppen und spielte die Top 40-Hits, und schließlich hatte er seine eigene musikalische Vision, wobei ihm Fortuna hold war und die Leute schickte, die ihm halfen, sie umzusetzen. Und das hört man in der Musik, sie fußt auf dem Blues und ist trotzdem Ausdruck von Jimis eigener Seele – hart erkämpft und zum Diamanten geschliffen.

Warum ich den Vergleich zum Schamanismus ziehe und so einen Bohei um die Erfahrung mache? Es ist doch viel leichter, locker-flockig eine seichte Meditation aus einem Buch zu machen und nur die schönen Reisen und Meditationen mit dem Krafttier zu beachten. Bloß nicht tiefer gehen! Klar komme ich mir jetzt wie so ein oberlehrerhafter Steißtrommler mit erhobenem Zeigefinger vor, aber ich sage es mal so: Schamanismus geht nicht umsonst so tiefgreifend. Mittlerweile würde ich ihn ähnlich potent wie LSD oder diverse Wege der Hohen Magie sehen. Es ist in Ordnung, wenn man so eine Art „Alttagsschamanismus“ lernt, den man auch als nicht so tief initiierter ausführen kann, aber bitteschön: Grundlagen sollten schon sein! Und die bestehen halt aus Trancereise, Krafttier, Lehrer und dem Modell verschiedener Welten. Und mit dieser relativ kleinen und klaren Basis kann man wunderbar an dieses Urige kommen.

Was kann ich also eigentlich außer meinem Gemoser sagen? Ganz einfach: zieht euch die Grundlagen rein – Michael Harner, Paul Uccusic, Mircea Eliade, Apu Kuntur, Tom Cowan. Um Grunde reicht das – selbst 20 bis 30 Jahre und einen Haufen Bücher später. Diese Grundlagen sind eigentlich nicht schwer, man muss sich halt konsequent dranmachen und sich die Dinge so aneignen, dass sie in Fleisch und Blut übergeben.
Are you experienced?

P.S.: Falls Sie wirklich „experienced“ werden wollen: ich biete derlei Basiskurse wie den eben erwähnten von Zeit zu Zeit an: http://www.feenmesse.de

Bildquelle: Fotostudio Obermaier, Penzberg

 

Etwas über die Elfen…

Das Schöne Volk
Wie du beim Lesen der Seiten sicher bemerkt hast, bin ich den Elfen sehr verbunden. Sie schimmern immer in meinem Denken, meiner Arbeit und meiner Kunst durch. Im Grunde sind sie meine spirituelle Verwandtschaft, um es mal schwülstig auszudrücken. Ich stelle sie dir nun mal vor, weil über sie so vieles (auch mal haltloser Unsinn…) gesagt und geschrieben wird.
Im Grunde sind Elfen Naturgeister. Sie beseelen die Welt um uns, sorgen dafür, dass alles wächst und gedeiht und regeln die Kreisläufe der Natur. Du ahnst vielleicht: ich verwende den Begriff „Elfen“ nicht nur für die schönen ätherischen Flügelfeen, und man fasste das früher auch anders auf. In der nordischen Edda wird von den Alfar berichtet, die in zwei Kategorien eingeteilt sind: die Lichtelfen und die Schwarzelfen. Hier streiten sich die Experten, was das bedeutet, soweit ich das sehe, sind die Lichtelfen die „hellen“, aufbauenden, wachstumsfördernden Geister der Natur, während die Schwarzalben unter der Erde leben und eher „unfreundlich“ sind und die abbauenden Prozesse betreuen. Aber auch das ist nicht so ganz klar nach Schema F, denn die Zwerge z.B. leben unter der Erde und haben mit den Mineralien, die aus dem Abbau organischen Materials entstehen, zu tun, aber sie bauen auch Bodenschätze wie Kristalle auf.
In den Geschichten und Legenden der britischen Inseln kommen sie als die „Sidhe“ (gesprochen „schi“), alle Ellylon oder Fairies vor. In unseren Breiten kannte man sie als „Salige Fräulein“ oder „Venedigermandln“ (Zwerge!). In all diesen Geschichten kommt ein Bezug zur Natur vor, und allen ist etwas „Schillerndes“, nicht Lineares, die Formen und Zeiten Verändernde zu eigen.
Es gibt unzählige Arten von Elfen und Naturgeistern. Manche sind wunderschön, manche ähneln tatsächlich den berühmt-berüchtigten Tinkerbells, und manche sind vom Aussehen her seltsam und verstörend. Das kann teilweise auch auf die Lichtelfen zutreffen, so nehme ich die Sidhe (das weiter oben erwähnte „Volk in den Hügeln“) oft mit bedrohlich großen und schräg stehenden Augen wahr (siehe Bildergalerie). Ein Künstler, der sie meiner Meinung nach sehr gut wiedergibt, ist Brian Froud. Und ich selber versuche in meinen Zeichnungen ebenfalls, ihre Kraft ins Diesseits herüber zu bringen.

Hier finden Sie weiteres über meine Arbeit:  http://www.feenmesse.de